Das Erlebnis Taizé - Tagebuch einer etwas anderen Klassenfahrt
Am Morgen des 23. Juli macht sich die Kursstufe 1 gemeinsam mit Herrn Botzke, Frau Stump, dem Jugendpfarrer Daniel Kunz und einer Gruppe der diesjährigen Abiturienten auf den Weg nach Frankreich. Dort wollen sie fünf Tage in dem kleinen Örtchen Taizé verbringen. Wunderschön gelegen im Burgund mit nicht einmal 200 Einwohnern handelt es sich hierbei um eine ganz besondere Ortschaft.Jugendliche aus der ganzen Welt kommen hierher, um eine Woche oder länger in der Communauté de Taizé (franz.: Gemeinschaft von Taizé), einer ökumenischen ordensähnlichen Gemeinschaft von Männern aus aller Welt, zu leben, zu beten und zur Ruhe zu kommen.
Unsere fünf Tage in der Gemeinschaft sollten also eine ganz besondere Erfahrung werden...
1. Tag
Mit reichlich Gepäck beladen und müde von der siebenstündigen Fahrt erreichen wir unser Ziel. Das Wetter ist heiß und unsere Gemüter hitzig. Nach Beenden des kräftezehrenden Projekts ,,Zelte aufbauen“, das über kurz oder lang alle erfolgreich gemeistert haben, stürzen wir uns erwartungsvoll und hungrig auf das Abendessen. Doch die Erwartungen werden schnell ausgebremst. Nach der Devise ,,Leben in Einfachheit“ gibt es Baguette und einen Schöpfer Eintopf für jeden. Getrunken wird Wasser aus Trinkschalen.
Es bleibt keine Zeit, sich lange aufzuregen, denn die Abendandacht beginnt.
Alle sind überwältigt von dem Gesang von 4.000 Menschen, aber auch der immer wieder einkehrenden Stille in der Kirche. Hier gibt es übrigens keine Stühle. Jeder nimmt auf dem Boden Platz.
Heute verkriecht sich jeder schnell und erschöpft in sein Zelt.
2.Tag
7:30 Uhr ist Aufstehzeit. Große Freude macht sich breit. Doch das Frühstück muss man sich erst verdienen. Um 8:15 Uhr beginnt die Morgenandacht. Trotz Schlafmangel werden die Andachten fast immer vollständig von unserer ganzen Gruppe besucht, und auch interessiert verfolgt. Sie unterscheiden sich sehr von den uns bekannten Gottesdiensten. Es wird fast nur gesungen. Die Stimmung ist meditativ und sehr entspannt. Jede Andacht beinhaltet eine zehnminütige Stille, um nachzudenken und zu beten.
Ausgeruht geht es weiter zur Essensausgabe. Gefrühstückt wird irgendwo, wo Platz ist auf dem Boden. Es gibt ein Brötchen, Schokolade und Butter.
Als Nächstes erwartet uns ein Treffen mit einem Bruder, der uns in eine Bibelstelle einführt, über die wir anschließend in Kleingruppen weiter diskutieren können.
Um 12:20 beginnt die Mittagsandacht. Selbes Spiel wie die Male davor, mit anschließendem Mittagessen. Lecker, Eintopf!
Auf Pick-Nick Decken und Campingstühlen geht die Arbeit in den Kleingruppen ab 15:15 Uhr weiter.
Die Campingstühle sind heißbegehrt und im wahrsten Sinne des Wortes schwer umkämpft, da der Verlust des Luxus einer erhöhten Sitzgelegenheit mit Lehne uns allen schnell schmerzlich bewusst wird.
Nach der Abendandacht und dem Abendessen sitzen wir noch lange zusammen und genießen den Sternenhimmel. Viele bleiben in der Kirche, wo die ganz Nacht hindurch gesungen wird.
3.Tag
Zwischen den immer gleichbleibenden Gebets- und Essenszeiten wird vormittags in den Kleingruppen diskutiert und nachmittags unternehmen wir schweigend eine Wanderung zu einer kleinen Quelle ein Stück unterhalb des Ortes. Viele Leute halten sich dort in der Natur auf, um zu lesen oder nachzudenken. Trotz der vielen Menschen ist die Stille ohrenbetäubend. Die Stimmung in der Gruppe wird Tag für Tag entspannter und ausgeglichener. Wir beginnen uns ein klein wenig an die Mentalität von Taizé anzupassen.
Später kochen wir mit einem Gaskocher Dosenravioli und Tütensuppen, um den allgemeinen Hunger zu stillen.
Am Abend treffen wir uns mit Frère Georg, einem Bruder aus Deutschland, und löchern ihn mit allerhand Fragen zu seiner Entscheidung, nach Taizé zu gehen, und zum Leben dort.
Als nachts noch ein starkes Gewitter aufzieht, bleiben wir bis lange nach Mitternacht in der Kirche, um zu singen und uns vor Blitz und Donner zu schützen.
4.Tag
Am Samstagnachmittag unternehmen wir einen Ausflug mit dem Bus in den Nachbarort Cluny. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Ort mit knapp 5.000 Einwohnern, welcher einst allerdings die weltgrößte mittelalterliche Kirche samt Abtei beherbergte.
Als wir in den Bus einsteigen, sinkt jeder erst einmal verzückt in seinen gepolsterten Sitz.
Die Besichtigung der Überreste des zeitweise größten Gotteshauses der Christenheit ist sehr eindrucksvoll und interessant. Wir schießen ein schönes Gruppenbild und anschließend gehen wir in Kleingruppen auf eigene Faust durch die Stadt. 99% verschlägt es auf direktem Weg in den Supermarkt oder die Boulangerie. Hier wird fleißig eingekauft und dann an einem der vielen schönen Plätze des Ortes Halt gemacht und gepicknickt.
Nach der Abendandacht und dem Abendessen gehen viele aus unserer Gruppe noch zum ,,Oyak“. Man könnte sagen, ein frommes Partyzelt, wo viele Jugendliche abends zusammenkommen, um die Nachtruhe ihrer Nachbarn in den Zelten nicht zu stören und sich untereinander auch oftmals über Sprach- und Kulturgrenzen hinaus kennenzulernen.
5.Tag
Der Tag der Abreise ist gekommen. Alle Zelte und Taschen müssen bis 8:30 Uhr gepackt sein. Ein heiteres Zusammenräumen von allem, was in den vergangenen Tagen in unserem kleinen, aber doch chaotischen Zeltlager durcheinander geworfen wurde, beginnt mit Sonnenaufgang. Alle für einen, einer für alle! Man hilft sich gegenseitig aus und so schafft es jeder, alles zusammenzupacken und pünktlich vor der Sonntagsmesse in den Bus zu laden.
Die Sonntagsmesse ähnelt den uns bekannten Gottesdiensten am meisten und wir genießen diese letzte besinnliche Stunde in der Kirche von Taizé.
Mit einem weinenden Auge und einem, das sich auf ein heißes Bad freut, steigen wir in den Bus und machen uns auf die Heimfahrt. Tobias, 11a:
,,Das Erleben von Gemeinschaft und die Andachten in Taizé waren ein wahres Erlebnis, doch jetzt wissen wir auch, wie schön es ist, im eigenen Bett zu schlafen.“
Aber das Erlebnis Taizé war jede Entbehrung wert!
Lisa Jost, Kl. 11c

