Theater am UG: Gastspiel der Theater-Mobile-Spiele: Kafka persönlich
Kafka – Eine Collage
Das Romanfragment „Der Prozess“ (auch „Proceß“ geschrieben) von Franz Kafka spielt eine wichtige Rolle in der Deutsch-Abiturprüfung des Abiturjahrgangs 2013 – und ist eines der am schwersten zu verstehenden Werken, die ein Schüler bis dahin lesen muss. Daher fanden sich die zukünftigen Abiturienten zusammen, um eine Inszenierung von Kafkas Tagebüchern und Briefen des Karlsruher „THEATERmobileSPIELE“ anzusehen. Dazu kam das Duo Georgios Tzitzikos (Schauspieler) und Thorsten Kreilos (Regisseur und Theaterpädagoge) extra an das Ursulinen-Gymnasium.Wir wussten zwar, dass Kenntnisse über Kafkas Innenleben und Persönlichkeit essentiell für das Verständnis seiner Werke sind, doch Kafka selbst war mindestens genauso verworren und bedrohlich (im Deutschunterricht sagen wir dazu „kafkaesk“) wie „Der Prozess“ selbst.
So sahen wir gebannt dem Schauspieler alias Kafka zu, wie er sich imaginäre Flammen vom Leib schlug, wie verrückt Sätze kritzelte oder mit einem Puppenkopf, der Kafkas Geliebte repräsentierte, redete. Das Stück war geprägt von sehr düsteren, befremdlichen und verstörenden Szenen, welche sich für das Verständnis des fragmentarischen Romans jedoch als nützlich erweisen konnten.
Nach der Vorführung löcherten wir die Herren Tzitzikos und Kreilos ausgiebig mit Fragen und diskutierten Interpretationsansätzen der gesehenen Vorführung, aber auch von Kafkas Werken selbst.
Im Nachhinein waren die Reaktionen der Schüler auf das Gesehene gemischt; die meisten SchülerInnen waren, ähnlich wie ich, sehr bedrückt und irritiert von Kafkas Innenleben. Zu einer Epiphanie kam es jedoch nicht bei Jedem. Viele Schülerinnen und Schüler fanden diese Visualisierung von Kafkas Persönlichkeit hilfreich für die Interpretation des „Prozesses“. Der Großteil konnte jedoch keine neuen, hilfreichen Informationen aus der Inszenierung entnehmen und lediglich an der schauspielerischen Leistung Gefallen finden, die stark an einen bedrohlichen Thriller erinnerte.
Persönlich denke ich aber, dass es sich sicherlich lohnt die Vorführung anzusehen, da der Ein oder Andere sicherlich neue Aspekte über Kafka und dessen Werke daraus lernen kann.
Daniel Marggrander, Kl. 12a

