Senorita Clarita im Mannheimer Morgen: Compassion einmal anders
Corazones para Perú - Herzen für eine neue Welt - Ein sehr außergewöhnliches Compassion-Erlebnis:
Das Tagebuch von Clara Dieing, Kl. 10a
Meine Erwartungen beim Antritt der Reise:Bei meiner Reise an das andere Ende der Welt waren meine Gefühle sehr gespalten. Zum Einen war da die Aufregung und auch die Angst vor dem, was mich dort erwartet, zum Anderen waren da die Freude und das Gefühl etwas zu bewirken.
Ich wünschte mir, in eine Welt einzutauchen und ein sinnvolles Werk zu vollbringen.
Meine Erwartungen waren eigentlich zu verschwommen, um sie beschreiben zu können, da ich mir die Realität, so wie ich sie letzten Endes vorgefunden habe, niemals so hätte vorstellen können.
Alles was ich über Südamerika, Armut, Elend und unmenschliche Schicksale aus Nachrichten, Fernsehen oder anderen Berichten kannte, war zu weit weg um mittendrin sein.
Tag 1. Ankunft im Projekt
Um 14:45 war es soweit.
Ich bin sicher in Cusco gelandet und wurde gleich mit offenen Armen von meiner Ansprechpartnerin Antonia empfangen.
Die eineinhalbstündige Taxifahrt von Cusco zum 3000 Meter hohen Urubamba war für mich wie das Eintauchen in eine fremde noch unergründete Welt.
Wir fuhren an kleinen Bergdörfern und großen Weiden vorbei.
Auf dem Weg kamen uns mehrere wilde Kühe und Schweine entgegen und versperrten uns den Weg. Ich fand das sehr amüsant, doch der Taxifahrer war da wohl anderer Meinung und vertrieb die Tiere mit wütendem Hupen. Als wir dann endlich in Urubamba ankamen, geriet ich ins Staunen. Wir hielten auf der Plaza, auf der ein kleiner Brunnen stand und um ihn herum viele Bänke in verschiedenen Farben. Der Himmel war strahlend blau, obwohl die Sonne gerade unterging und es langsam kühler wurde. Unser nächstes Ziel war das Haus des Freiwilligenbetreuers Moritz.
Mit meinem Gepäck im Schlepptau machten wir uns auf einen fünf Minuten langen Fußmarsch und kamen völlig erschöpft an dessen Haus an, wo wir schon sehnsüchtig erwartet wurden. Zusammen mit Moritz erstellten wir meinen Arbeitsplan für die kommenden zwei Wochen. Mir war es wichtig, dass ich in so vielen Bereichen wie möglich arbeiten konnte, um das Projekt besser kennen zu lernen.
Nachdem das geschafft war, fuhren Antonia und ich gemeinsam hoch in das Kinderdorf, das noch einmal 500 Meter höher liegt. Dort angekommen sah ich das erste Mal, was ich bis jetzt nur von Erzählungen kannte. Herr Doktor Arnold hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Auf einem Berghang erstrecken sich acht Häuser mit verschiedenen Namen, eines davon das Freiwilligen Haus. In der Mitte die Casa Redonda, in der Feste gefeiert werden. Und ganz oben ein weiteres Kinderhaus in Arbeit. Unterhalb des Eingangs gab es einen kleinen Sportplatz, einen Spielplatz und eine Turnhalle.
Im Freiwilligenhaus bekam ich mein eigenes Zimmer und habe erst einmal ausgepackt.
Dann gab es auch schon Abendessen und um zwanzig Uhr dreißig bin hundemüde schlafen gegangen.
Tag 2: Mein erster Arbeitstag
Dann war es soweit.
Mein erster Arbeitstag im Projekt „Herzen für eine neue Welt“ begann.
Das Leben im Kinderdorf beginnt sehr früh, schon um sechs Uhr morgens hört man Kinder schreien und herumlaufen. Zwischen den Schreien der Kinder erklingen immer wieder die drohenden Stimmen der Tías (Hausmütter). Um ungefähr sieben Uhr steigen die Kinder dann in den Schulbus und werden von dem Fahrer Luís (ein ehemaliges Munaychaykind) in ihre Schulen gefahren. Kurz nach sieben hört man dann die Motoren und das Bellen der Hunde, die die Autos bis zum Tor begleiten.
Mein Frühstück bestand aus einem heißen Tee, für mehr war keine Zeit mehr, denn Antonia und ich hatten einen sieben Kilometer langen Fußmarsch zur Kindertagesstätte Wawa Wasi vor uns. Auf dem Weg nach unten erklärte mir Antonia, dass heute ein ganz besonderer Tag in der Kindertagesstätte sei, denn wir würden heute die nahegelegene Posta de Salud Chicón besuchen. In dieser kleinen Krankenanlage arbeiten ein Biologe, ein Zahnarzt, ein Allgemein-mediziner und eine Krankenschwester.
Als Antonia und ich die Hälfte des Weges hinter uns gebracht hatten, kam uns ein Auto mit vielen Kleinkindern entgegen. Die Kinder waren alle Wawa Wasi Kinder. Wir wollten mitfahren doch Moritz, der auch im Auto saß, sagte uns, dass unten doch mehr Kinder warten und er deshalb noch ein Auto zu uns schicken würde. Wir dachten uns nichts dabei und liefen nach unten zu Wawa Wasi. Als wir jedoch sahen, dass unten nur noch ein Kind zu sehen war und Moritz anrief, dass doch kein Auto nach unten kommen würde, waren wir etwas durch den Wind. Denn das hieß für uns fünf Kilometer den Berg hoch und zwar zu Fuß. Mittlerweile war es wirklich warm geworden und wir kamen völlig erschöpft an der Posta an. Hier sah ich die ganzen kleinen Kinder zum ersten Mal. Ich war unsicher, wie sie auf ein neues Gesicht reagieren würden, aber das änderte sich schnell, als ein kleiner Junge auf mich zu kam, mich mit seinen riesigen Augen anschaute und mein Bein umarmte. Auf einmal kam eine ganze Menge der Kinder auf mich zu gelaufen und einige fragten mich wie ich denn heiße. Von diesem Tag an war ich nur noch Señorita Clarita. Wir setzten uns mit den Kindern ins Gras und spielten ein wenig. Nach und nach wurden alle Kinder zum Zahnarzt aufgerufen. Manchen Kindern gefiel das aber gar nicht und sie fingen an zu weinen und wollten nicht mehr aufhören. Als dann alle Kinder dran waren, schnappte sich jeder ein oder zwei Kinder und wusch ihm die Hände, denn es war Zeit für das tägliche Obst. Jeder bekam eine Banane. Nachdem alles aufgegessen war, gingen die Kinder zum Allgemeinmediziner und ließen sich unter Schreien Blut abnehmen.
Schließlich holte eine der Erzieherin ein Hüpfpferd heraus und dann war die Welt für die meisten schon wieder in Ordnung. Ein Junge war so begeistert, dass er am laufenden Band sagte: “Das ist mein Pferd, das gehört nur mir.“ Und wer ihm dann zu nahe kam oder sogar das Pferd haben wollte, bekam ordentlich eins auf die Mütze. Letzten Endes machten wir uns dann um zwölf Uhr auf den Rückweg. Ein weiters Mal musste jeder ein oder zwei Kinder an die Hand nehmen. Ich habe einen sehr störrischen kleinen Jungen erwischt, der einfach nicht laufen wollte. Irgendwann blieb er stehen und setzte sich ins Gras. Zum Glück kam mir eine Erzieherin zu Hilfe, denn ich konnte den Jungen einfach nicht zum Weitergehen ermutigen. Unten angekommen ging es direkt zum Händewaschen und danach zum Mittagessen. Ich habe noch nie gesehen, dass Kinder sich so auf das Essen freuen wie diese Kinder. Man hat wirklich gesehen, dass viele von ihnen zu Hause kaum etwas zu essen bekommen, das macht sich auch an ihrem Körperbau bemerkbar. Viele der Kinder sind fürchterlich unterernährt.
Nach dem Essen hieß es Schlafenszeit und die Kinder schliefen sofort ein. Antonia und ich machten uns dann wieder auf den Weg nach oben in das Kinderdorf, denn hier wartete unsere Nachmittagsschicht auf uns. Mir waren einem Haus zugeteilt und machten dann dort Hausaufgabenbetreuung. Antonia hat sich um Mathe und Spanisch gekümmert und ich war für Englisch und Biologie zuständig. Ich musste feststellen, dass die englische Aussprache den Kindern große Schwierigkeiten bereitet.
Um 18:30 Uhr waren wir auch damit fertig und begaben uns zurück ins Freiwilligenhaus.
Um 19:00 Uhr gab es dann Abendessen. Ich traute mich jedoch, nur Brot mit Käse zu essen. Kurz danach bin ich auch schon ins Bett gegangen, denn der Tag war sehr anstrengend.
Tag 3: Gleicher Tagesablauf, aber langsam macht mir die Höhe etwas zu schaffen
Mein zweiter Arbeitstag verlief genauso wie der erste. Der einzige Unterschied war, dass wir dieses Mal mit einem der Autos nach unten fahren durften und nicht zu Fuß gehen mussten. In Wawa Wasi haben wir zuerst mit den Kindern gespielt und während, diese gegessen haben, haben wir das Spielzimmer aufgeräumt. Nach dem Mittagessen ging es raus auf die Wiese und es wurde gespielt und gespielt. Danach war wieder Schlafenszeit und Antonia und ich mussten auch schon wieder nach oben ins Kinderdorf. Aber heute gab es keine Hausaufgabenbetreuung, denn die Kinder mussten Bilder für ihre Paten in Deutschland malen. Ich war beeindruckt von ihren Mal- und Zeichenkünsten. Selbst die kleinen Jungs konnten besser malen als irgendjemand, den ich kenne.
Antonia hat währenddessen einige der Kinder entlaust und ich habe mich um die Tablettenverteilung gegen die Parasiten gekümmert. Nach dieser Schicht im Haus ging es mit Laura, einer anderen Freiwilligen zum Ballett. Nach der Hausaufgabenbetreuung werden für alle Kinder von Munaychay verschiedene Aktivitäten angeboten, eine davon ist Ballett. Am Anfang waren wirklich viele Kinder da, doch am Ende waren es nur noch drei. Denn die meisten von ihnen wollen zwar tanzen, haben jedoch nicht das Durchhaltevermögen, es zu lernen. Es war Mittwoch und das hieß Reunión. Also sind wir dann um 18:00 Uhr nach Urubamba in das andere Freiwilligenhaus gefahren. Hier wird jede Woche eine Sitzung abgehalten, in der alle sagen können, was sie stört oder was man verbessern kann.
Danach bin ich mit Antonia wieder nach Munaychay gefahren und wir sind schlafen gegangen.
Tag 4: Überraschender Besuch
Auch heute war ich wieder in Wawa Wasi, aber dieses Mal kam eine Frau mit ihrer Kindergartengruppe. Diese Frau war eine ehemalige Erzieherin und kommt regelmäßig zu Wawa Wasi mit ihrer neuen Kindertagesstätte, um die Kinder zu besuchen. Die Köchin hatte alle Hände voll zu tun, denn nun musste sie die doppelte Menge kochen.
Der Vormittag verlief aber ansonsten wie gewöhnlich.
Den Nachmittag verbrachte ich wie an den anderen Tage auch in einem Haus bei der Hausaufgabenbetreuung. Am Abend gab es wieder eine Reunión, aber diesmal nur für die Munaychay Bewohner.
Tag 5: Das erste Mal auf 4500 Meter
Es war Freitag, auf diesen Tag hatte ich mich schon die ganze Woche gefreut.
Ich fuhr um 7:15 Uhr zusammen mit 3 weiteren Freiwilligen nach Huilloc. In diesem Bergdorf gibt es noch ein Gesundheitszentrum und außerdem eine Grundschule und eine weiterführende Schule.
Eigentlich sollte ich den Tag zusammen mit Antonia in der Posta verbringen, doch dann kam alles anders. Wir warteten ungefähr eine Stunde, doch es kamen einfach keine Patienten. Dann entschied ich mich mit Rosa, einer anderen Freiwilligen, in die Schulen zu gehen. Mir fiel auf, dass in den Schulhöfen mit Kreide viele Kreise gezeichnet wurden, in ihnen standen Zahlen von eins bis zehn. Rosa erklärte mir, dass diese für den Fall eines Erdbebens seien, so hat jede Klasse ihren eigenen Kreis und kann sich in Sicherheit bringen, falls das Schulgebäude einstürzt. Plötzlich klingelte es zur Pause und alle Kinder kamen aus den Zimmern gerannt. Alle sahen gleich aus, die Jungen hatten einen orange gemusterten Poncho und ihre Strohhüte auf. Die Mädchen Röcke und einen Poncho und natürlich auch einen Hut. Ich habe vorher noch keine Menschen in einer Tracht gesehen, denn die Kinder in Munaychay tragen lediglich ihre Schulkleidung. Man sah auf den ersten Blick, dass diese Menschen hier noch ärmer sind als in Urubamba. Die Kinder erzählten uns wie lange sie jeden Morgen in die Schule laufen mussten. Manche der Mädchen kommen aus noch höher gelegenen Dörfern und brauchen länger als zwei Stunden in die Schule und das zu Fuß. Die Kinder hatten alle nur sehr dünne Sandalen an und das obwohl es ungefähr zwei Grad Celsius hatte. Als es wieder zum Unterricht klingelte, fragten sie noch ganz aufgeregt nach Süßigkeiten, denn sie sind es gewohnt, dass sie von Fremden Süßes bekommen. Aber auch wir mussten uns beeilen, denn ich hatte mich entschieden mit Rosa, die jetzt Englischunterricht geben musste, in die weiterführende Schule zu gehen. Dort angekommen kam uns die Schulleiterin entgegen und erklärte uns, dass ein Lehrer leider nicht kommen könne und jetzt ein Englischlehrer fehlen würde. Es lief darauf hinaus, dass ich in eine elfte Klasse ging und den Schülern das Verb to be beibrachte. Während die Jungen sehr unkonzentriert und laut waren und der Meinung waren, sie könnten mich ärgern, indem sie Quechua sprechen, waren die Mädchen sehr schüchtern und zurückhaltend. Nachdem sie das Verb einigermaßen konnten, durften sie mich noch ein paar Sachen fragen, aber nur auf Englisch. Am späten Nachmittag fuhren wir dann wieder zurück nach Urubamba, hier ging es auf direktem Weg in das Büro von Corazones. Alfonso, ein anderer Freiwilliger, führte gerade Beratungsgespräche. Als ich ungefähr fünf Minuten dort war, kam eine Frau mit einer zerrissenen Tracht, barfuss und mit ihrem kleinen zehn Wochen alten Säugling in die Tür. Die Frau war total aufgelöst und wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Nachdem Alfonso sie ermutigt hatte ihm zu erzählen, was vorgefallen war, fing die Frau an zu weinen und erzählte, dass sie gerade ihren Job verloren habe und das nur, weil sie immer mit ihrem Kind kommt. Sie hat bei der Gemeinde geputzt und diese hat ihr gekündigt, da es nicht gut für das Kind ist, wenn es die ganzen Tag die Ausdünstungen der Reinigungsmittel einatmet. Doch das schien nicht das Hauptproblem zu sein, denn die Frau erzählte noch weiter, dass ihr Mann die ganze Zeit betrunken sei und kein Geld nach Hause bringen würde. Er vergewaltigt und schlägt sie und die Kinder. Des Weiteren droht er, alle Kinder zu vergiften, wenn sie ihn verlassen würde. Schon allein der Gedanke, dass dieses Schicksal kein Einzelschicksal ist, erschütterte mich. Am schlimmsten war diese Hilflosigkeit, mit der man daneben steht und einfach nichts machen kann. Viele Kinder aus Munaychay kommen aus solchen Familienverhältnissen. Auf dem Weg ins Kinderdorf erzählte Antonia mir, dass es ein Mädchen im Kinderdorf gibt, dass allen Frauen in den Ausschnitt fasst und der Psychologe ist der Meinung, dass dieses Kind mit ansehen musste wie ihr Vater ihre Mutter vergewaltigte.
Tag 6: Die neue Woche beginnt mit körperlicher Arbeit
Um neun Uhr treffe ich mich mit drei weiteren Freiwilligen in Santa Rosa. Wir vereinbaren, dass ich zuerst mit Rosa in die Nähwerkstatt gehe und mit ihr neue Schuluniformen für die Kinder mache. Um circa elf Uhr ging ich dann mit Kalle und Marcel Spinat ernten. Zuerst zeigten sie mir jedoch die gesamte Anlage. Es gibt eine Schreinerei, eine Schmiede, vier Gewächshäuser, Bienen, Hühner und Meerschweinchen. Nachmittags waren wir dann mit allem fertig und sind in Haus 7 gegangen. Hier wohnen nur Jungen zwischen zwölf und sechzehn Jahren. Hier habe ich dann auch die Jungen kennengelernt, die am Wochenende das Dach des Spielplatzes angezündet haben. Wir blieben bis um elf Uhr im Haus, denn heute waren alle Tías in Urubamba Pizza essen. Die Hausaufgabenbetreuung verlief heute sehr eintönig, denn wir haben die ganze Zeit nur kleine Streichholzschachteln gebastelt. Nach dem Abendessen haben die Jungen noch einen Film geschaut und sind dann auch ins Bett gegangen, denn morgen war ja Schule.
Tag 7: Hektik
Ich habe verschlafen und hatte nur noch fünf Minuten Zeit, mich fertigzumachen und noch eine Stuhlprobe aus Haus 6 zu holen. Also rannte ich mit meiner Zahnbürste im Mund zu Haus 6 und erst da fiel mir ein, dass ich gar keine Ahnung hatte, wie ich die Tía nach der Stuhlprobe fragen sollte. Sie hat mich dann aber Gott sei Dank verstanden.
Also wieder zurück ins Freiwilligenhaus und meine Tasche holen. Während-dessen hörte ich wie der Motor des Autos anging und ich konnte nur noch hoffen, dass Luís, der Fahrer, auf mich warten würde. Ich hatte Glück und er nahm mich noch mit.
In Urubamba angekommen, warteten wir auf die Ärzte, die mit uns nach Huilloc fahren sollten. Als dann alle da waren, ging es auch schon los. Der Biologe fuhr so schnell, dass ich wirklich Angst hatte, dass wir den Berghang runterfallen und dann lagen auch noch Felsbrocken auf der Straße. Ich war froh, dass ich heil oben angekommen bin. Ich bin zuerst wieder in die Schule gegangen und habe Englischunterricht gegeben. Danach habe ich Moritz mit den Medi-kamenten für die Kinder in Munaychay geholfen. Am frühen Nachmittag habe ich dann noch in der Fischzucht Werte überprüft und eingetragen.
Tag 8: Fotoshooting
Eigentlich sollte ich heute zu „Menschen mit Behinderung“. Es hat sich dann aber doch anders entwickelt und ich bin zu Wawa Wasi gegangen. Es war ein ganz normaler Tag bei Wawa Wasi, nur dass heute aus den Spielstunden ein Fotoshooting wurde. Ich habe nur einmal meine Kamera herausgeholt, um ein paar Fotos zu machen und die Kinder waren gar nicht mehr zu stoppen und wollten, dass ich immer mehr Fotos von ihnen mache.
Nachmittags bin ich wieder in ein Haus gegangen zur Hausaufgabenbetreuung und danach wieder zum Ballett.
Tag 9: Mein letzter Arbeitstag
Zuerst sollte ich mit Kalle zu „Menschen mit Behinderung“ gehen, aber leider waren an diesem Tag keine Menschen da. Also sind wir in das Büro gegangen und haben uns über meinen Aufenthalt und seine Tätigkeit hier vor Ort unterhalten. Um 15:00 Uhr bin ich dann aber mit Tim zum Projekt „Lernen mit Herz“ gegangen. Es ist ein Projekt, in dem vor allem Mädchen finanziell unterstützt werden, um weiter in die Schule gehen zu können. Zuallererst haben wir einen Hausbesuch gemacht. Hier konnte ich das erste Mal peruanische Wohnverhältnisse sehen. In einem fünf Quadratmeter großen Raum lebten elf Menschen zusammen mit vier Hunden, neun Hühnern, Meerschweinchen und zwei Schweinen. Der Fußboden bestand aus platt getretener Erde und die Betten aus Stroh. Die Tür bestand lediglich aus einem Loch in der Wand. Danach sind wir zum Nachhilfeunterricht gegangen und haben Englisch unterrichtet.
Tag 10: Abschlussgespräch
Ich hatte mein Abschlussgespräch mit Moritz und wir haben mein Zeugnis geschrieben.
Danach hieß es für mich Abschied nehmen, und das war nicht ganz einfach.
Fazit:
Auch wenn manches in meinem Bericht sehr nüchtern klingt, hat mich mein Aufenthalt in Peru keinesfalls unberührt gelassen. Allerdings waren meine Eindrücke, Erlebnisse und Gefühle während meines Aufenthaltes so vielschichtig, dass ich bis jetzt noch nicht damit abgeschlossen habe, meine Erlebnisse für mich selbst einzuordnen und zu reflektieren. Eines jedoch kann ich mit Sicherheit sagen, der Aufenthalt im Projekt „Herzen für eine neue Welt“ hat mir zwei unvergessliche Wochen meines Lebens beschert.
Ich habe erfahren, wie bedingungslos Menschen, die hilfsbedürftig sind, ihre Zuneigung zeigen und wie wichtig und erfüllend es ist, zu helfen.
Ich bin mir sicher, dass ich nach meinem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren werde.
Clara Dieing, Kl. 10a

