Die Journalismus-AG interviewt Herrn Sigmund zum Abrahampokal
"Aufeinander hören - Miteinander Leben" - Das diesjährige Motto der Woche der Brüderlichkeit
Herr Sigmund im Gespräch mit Tirsia Englert und Cosi Ehrler:
Herr Sigmund, was genau ist der Abraham Pokal?
Hr. Sigmund: Der Abraham Pokal wird jährlich von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit dem Ziel der „Verständigung zwischen den Religionen“ an verschiedene Schulen verliehen. Es gibt hier eine Gruppe im Rhein-Neckarkreis, die schon seit zehn Jahren den Pokal vergibt. Ein Pokal wird an eine Schule in Mannheim und einer an eine Schule in Ludwigshafen vergeben. Der Name dieses Pokals hat eine besondere Bedeutung in allen monotheistischen Religionen. Denn Abraham ist in allen drei Religionen eine Art Glaubensvorbild. Im Judentum ist er der Stammvater des jüdischen Volkes, Paulus bezieht sich oft auf ihn als Vorbild und auch im Koran ist er wichtig. Der Pokal wie Abraham selbst soll einen Bezugspunkt darstellen und zeigen, dass Religionen zum Frieden und zur Einheit berufen sind, es gab ja leider auch Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen den Religionen „vergiftet“ war und es gibt Orte, an denen dies noch so ist.
Wie kam es zur Verleihung des Pokals?
Hr. Sigmund: Unsere Schule wurde von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgewählt. Mit der Verleihung am 13. März in der Woche der Brüderlichkeit bekommt unsere Schule den Auftrag, sich ein Jahr mit der Thematik zu beschäftigen.
Welche Auswirkungen hat das Verleihen des Pokals auf die Zukunft unserer Schule?
Hr. Sigmund: Wir als Ursulinen-Gymnasium haben die Möglichkeit, den Abraham Pokal selbst zu gestalten. Es ist nicht vorgeschrieben, was wir tun sollen, sondern unsere eigene Fantasie ist gefragt. Mithilfe von zahlreichen Projekten können wir zur interkulturellen Verständigung beitragen.
Welche Projekte sind geplant?
Hr. Sigmund: Wie auch in der Vergangenheit gibt es für die neunten Klassen wieder das Projekt „Kirche und Nationalsozialismus“. Das Projekt geht zum einen auf die Vergangenheit ein, hat aber auch die Gegenwart im Blick, wie z.B. die Begegnung mit den Likratinos. Einen besonderen Wert legen wir vor allem auf Projekte, die Begegnungen mit anderen Religionen fördern, wie z.B. das gemeinsame Essen und Trinken in den Kulturen, das der Seminarkurs Mythos Orient organisierte. Wünschenswert wäre auch ein Seminarkurs im nächsten Jahr, der sich mit den Vorurteilen in den Religionen wie Antiislamismus beschäftigen würde. AGs zu diesem Thema wären eine gute Idee.
Inwieweit betrifft es einzelne Klassenstufen?
Hr. Sigmund: Der Abraham Pokal ist wie SOR (Schule ohne Rassismus) ein klassenübergreifendes Projekt. Alle Klassen sollten die Möglichkeit bekommen, andere Religionen „kennenzulernen“.
Wie sehr ist das Projekt mit dem Religionsunterricht verknüpft?
Hr. Sigmund: Natürlich ist in erster Linie eine Thematik, mit der sich der Religionsunterricht befasst. Eine Verknüpfung mit anderen Fächern wie Deutsch, BK oder Musik wäre auch denkbar.
Was passiert in einem Jahr, wenn wir den Pokal nicht mehr haben?
Hr. Sigmund: Genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich fände es schade, wenn das Projekt nur eine „Einjahresfliege“ wäre. Vielleicht gebe es die Möglichkeit mit anderen Schulen, die den Pokal schon mal hatten, Kontakt aufzunehmen.
Worin besteht der Unterschied zwischen SOR und dem Abraham Pokal?
Hr. Sigmund: SOR soll hauptsächlich Vorurteile abbauen und Toleranz bewirken. Beim Abraham Pokal ist das „Kennenlernen“ der anderen Religionen eher im Mittelpunkt.
Warum haben wir so wenige muslimische Schüler?
Hr. Sigmund: Ich denke, dass liegt vor allem daran, dass wir eine christliche Schule sind. Es gehört schon einiges an Toleranz dazu, wenn muslimische Eltern ihre Kinder auf eine christliche Schule schicken. Zudem denke ich, dass das fehlende Ethik- Angebot an unserer Schule dazu beiträgt.
Wir danken Ihnen für das Interview
Tirsia Englert, 12 und Cosi Ehrler, 9


