Ein Tag – zwanzig Disziplinen – 2000 Bewerber – und ich ...
Désirée Kares, 12 berichtet von der Sporteignungsprüfung in Köln im Mai 2010
Am Mittwoch, den 26.05.2010 machte ich mich abends mit dem Zug auf den Weg nach Köln. Nach einer kurzen Nacht hieß es morgens früh um halb sechs: „Auf zur Deutschen Sporthochschule!“ (DSHS-Köln), denn um an der DSHS-Köln studieren zu können, muss man erst die Sporteignungsprüfung bestehen. Nach der Anmeldung lernte ich schnell eine nette Mitbewerberin, Johanna, kennen. Zusammen gingen wir zur Begrüßung in den Hörsaal, wo wir über den Tagesablauf informiert wurden und mit einer „La-Ola Welle“, durch drei Hörsäle hindurch, gut gelaunt und motiviert in die Prüfung starteten. Nachdem wir in sechs Gruppen aufgeteilt wurden, begann ich die Prüfung in der Leichtathletikhalle. Nach dem 100-m-Sprint, für den ich maximal 15.5 sec. Zeit hatte und dem Kugelstoßen, bei dem ich, die für Frauen vorausgesetzte Mindestweite von 6.75m mit ca. 8m gut erreicht hatte, musste ich mich leider schon von Johanna verabschieden. Denn sie hatte beide Disziplinen leider nicht geschafft und man darf sich in der ganzen Prüfung nur ein Defizit leisten, d.h. man muss 19 von 20 Disziplinen bestehen, um die Prüfung erfolgreich zu absolvieren. Angespannt, aber doch konzentriert meisterte ich meine letzte Disziplin in der Sportart Leichtathletik, den Hochsprung über eine Höhe von 1.20m.
Auf die nächste Sportart, das Turnen, freute ich mich als geübte Leistungsturnerin natürlich sehr. Denn so fielen mir die Übungen an Boden, Reck, Sprung und den Ringen nicht schwer. Währenddessen zitterten die meisten Jungs, denn beim Turnen ist die Durchfallquote der Männer am höchsten.
Danach stand jedoch meine „Wackeldisziplin“ Schwimmen an, vor der ich mich am meisten fürchtete. Der Kopfsprung vom 1m-Sprungbrett war dabei noch das kleinste Übel. Beim Stilschwimmen leistete ich mir leider mein erstes Defizit, das ich mir eigentlich für das Zeitschwimmen aufheben wollte. Mit großer Angst und voll gepumpt mit Adrenalin, schwamm ich beim Zeitschwimmen um mein Leben und schaffte es mit drei Sekunden unter der Zeit gerade noch so. Total ausgepowert, aber überglücklich konnte ich mich in meiner wohlverdienten Pause vom Schrecken und der Anstrengung erholen.
Sowohl physisch als auch psychisch gestärkt, startete ich mit meiner Gruppe, von der nur noch ungefähr die Hälfte übrig war, in die nächste Disziplin. Bei den Mannschaftsspielen konnte ich mich als einzige Frau beim Fußball gut durchsetzen und freute mich auf die vorletzte Disziplin, das Tischtennis. Als ich auch das erfolgreich gemeistert hatte, wusste ich, dass ich meinem Ziel nur noch zwei Km entfernt war.
Zwei Kilometer, die verdammt lang und hart sein können
Denn die letzte Disziplin, der 2000m-Lauf muss von jedem Bewerber in maximal zehn Minuten geschafft werden. In den ersten Runden merkte ich die Anstrengung vom ganzen Tag in den Knochen. Doch in den letzten Runden geriet ich ganz in Trance, von den jubelnden Zuschauern und der Gewissheit, es bald geschafft zu haben, wurde ich ins Ziel getragen. Dort angekommen, konnte ich das alles jedoch noch gar nicht richtig begreifen.
Von den 2000 Bewerbern haben es letztendlich nur 40% geschafft – ich gehöre dazu!
Jetzt freue ich mich auf mein letztes Jahr am Ursulinen-Gymnasium und darauf, dass mein Traum an der DSHS-Köln zu studieren nach meinem Abitur in Erfüllung gehen wird.
Désirée Kares, 12


Termine
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